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Internationale Rahmenabkommen - IFA

International tätige Unternehmen werden von Gewerkschaftsseite zunehmend mit dem Wunsch konfrontiert, ein "International Framework Agreement" (IFA) mit weltweiter Geltung zu vereinbaren.

IFAs werden zwischen einem multinationalen Unternehmen und einer internationalen Branchengewerkschaft, wie IndustriALL Global Union oder UNI Global Union abgeschlossen. Das Ziel eines IFA ist es, eine Beziehung zwischen einer internationalen Gewerkschaftsorganisation und einem individuellen international tätigen Unternehmen zu schaffen und damit die Herausforderungen, die im Zusammenhang mit der Globalisierung auftreten, in Kooperation zu lösen. Die Grundlage der IFAs bilden in der Regel die Kernarbeitsnormen der ILO. Darüber hinaus geht es bei IFAs beispielsweise um Themen wie die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen und um Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Für die Gewerkschaften sind IFAs ein Weg, die Anerkennung ihrer Organisation und der Arbeitnehmerrechte auf globaler Ebene zu fördern, besonders in Regionen und Ländern, in denen die nationale Gesetzgebung unzureichend ist bzw. nicht durchgesetzt wird. Durch die IFAs gewinnen sie neue Einflussmöglichkeiten auf der betrieblichen Ebene. Für die Unternehmen liegt ein möglicher Vorteil von IFAs in der Verbesserung des Dialoges mit den Gewerkschaften, was besonders in Ländern, in denen es keine lokalen Gewerkschaftsansprechpartner gibt, von Vorteil sein kann. Die vorgeschlagenen Vereinbarungsentwürfe enthalten jedoch auch oft Gefahren und Fallstricke, die nur durch eine sehr eingehende Prüfung entdeckt und vermieden werden können.

Das erste Beispiel für ein IFA war die Vereinbarung zwischen dem französischen Lebensmittelhersteller Danone mit der "International Union of Food, Agricultural, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Workers Associations" (IUF) von 1989. Zwischenzeitlich sind über 100 Vereinbarungen abgeschlossen worden. Was nach der relativ kurzen Erfahrung mit IFAs bereits beobachtet werden kann, ist, dass die Gewerkschaften IFAs als ein Instrument für die industriellen Beziehungen auf internationaler Ebene mit durchaus bindender Wirkung für die Unternehmen betrachten - deshalb sollten für Unternehmen Public Relations-Überlegungen keinesfalls der vorrangige Grund für den Abschluss eines IFA sein, da hiermit langfristige Weichenstellungen und Bindungen verbunden sein können.

Um den Unternehmen Informationen und Orientierungspunkte im Umgang mit IFAs zu geben, hat die International Organisation of Employers (IOE) einen Leitfaden zu "International Framework Agreements" (IFAs) und die BDA einen Leitfaden zu „Neue Herausforderungen für globale industrielle Beziehungen: International Framework Agreements (IFAs) und Global Campaigning“ veröffentlicht, der von Unternehmen bei der BDA angefordert werden kann.

Texte und Inhalte von IFAs können auf der "Databank zu transnationalen Betriebsvereinbarungen" abgerufen werden. Dort wurden sämtliche Dokumente, die von der ILO und der Europäischen Kommission identifiziert und katalogisiert worden sind, veröffentlicht. Es sind sowohl europäische und internationale Vereinbarungen aufgeführt, als auch weitere Informationen zu den betroffenen Unternehmen und deren Vereinbarungen.