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Arbeitskosten

Deutschland ist und bleibt ein Hochlohnland. Durchschnittlich rd. 35 € mussten Arbeitgeber in der deutschen gewerblichen Wirtschaft im Jahr 2018 für eine geleistete Arbeitsstunde zahlen. Eine Arbeitsstunde in Deutschland war damit um rd. 27 % teurer als im EU-Durchschnitt (Destatis 2019). In der Industrie kostete eine Arbeitsstunde durchschnittlich 40 €. Eine Stunde Arbeit in der deutschen Industrie war damit 48 % teurer als im EU-Durchschnitt (27 €, Destatis 2019).

Arbeitskosten als Standortfaktor

Arbeitskosten haben einen hohen Einfluss auf die Attraktivität eines Landes als Standort für Unternehmen. Ihre Höhe bestimmt die Rentabilität von Investitionen entscheidend mit. Bei vergleichbaren Rahmenbedingungen wird ein Land eher Ziel von Investitionen, wenn das Arbeitskostenniveau geringer ist. Niedrige Arbeitskosten sind ein Standortvorteil, weil sie die Rendite vorhandener und die Renditeerwartungen neuer Investitionen erhöhen.

Arbeitskosten haben Einfluss auf Beschäftigung

Verspricht eine günstige Arbeitskostensituation, Unternehmen angemessene Renditen zu erzielen, entstehen neue wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. Der Druck nimmt ab, vorhandene Arbeitsplätze aus Kostengründen abzubauen oder zu verlagern. Die positive Beschäftigungsentwicklung in Deutschland mit einem Anstieg der Erwerbstätigkeit und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren ist maßgeblich auch auf eine Korrektur lohnpolitischer Fehlentwicklungen in der Vergangenheit zurückzuführen. Eine beschäftigungsfreundliche Lohnpolitik muss stets die Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt im Auge behalten.

Arbeitskosten und Produktivität zusammen betrachten

Löhne und Produktivität dürfen nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Das Lohnniveau sollte immer die Produktivität der Branche widerspiegeln. Der Produktivitätsfortschritt ist der entscheidende Maßstab für den Anstieg der Leistungsfähigkeit des Faktors Arbeit, für angemessene Lohnsteigerungen und damit den Arbeitskostenanstieg. Steigen die Arbeitskosten schneller als die Produktivität, verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Um die Kostenbelastung aus dem nicht durch den Produktivitätsfortschritt gedeckten Arbeitskostenanstieg auszugleichen, können Unternehmen gezwungen sein, Arbeitsplätze abzubauen bzw. an günstigere, außerhalb Deutschlands gelegene Standorte zu verlagern. Bleibt die Lohnentwicklung dagegen hinter der Produktivitätsentwicklung zurück, entsteht Spielraum für die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Beschäftigungsorientierte Lohnpolitik fortsetzen

Die Tarifparteien haben in der Vergangenheit eine insgesamt beschäftigungsorientierte Lohnpolitik verfolgt. Durch sie hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft im internationalen Vergleich deutlich verbessert. Branchendifferenzierte, produktivitätsorientierte und flexible Tarifverträge haben maßgeblich zum Beschäftigungszuwachs der letzten Jahre beigetragen. Dennoch sind die Löhne in Deutschland – anders als in anderen EU-Ländern – in den letzten Jahren überwiegend nicht nur nominal, sondern auch real weiter gestiegen.

Hohe Abgabenbelastung des Faktors Arbeit abbauen

Nach den OECD-Zahlen belastet kaum ein anderes Land den Faktor Arbeit so hoch mit Abgaben wie Deutschland. Die Sozialversicherungsbeiträge wirken wie eine „Zusatzsteuer auf Arbeit“, soweit zusätzlichen Beiträgen keine zusätzlichen Leistungsansprüche gegenüberstehen. Dies gilt vor allem für die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Die zentrale Reformaufgabe lautet daher insbesondere, die Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung stärker vom Arbeitsverhältnis zu entkoppeln. Von den hohen Bruttolöhnen in Deutschland muss auch ein ausreichend großer Teil bei den Beschäftigten ankommen.

Arbeitskosten in Deutschland überdurchschnittlich hoch

Im europäischen Vergleich lag Deutschland im Jahr 2018 sowohl bei den Arbeitskosten als auch bei den Personalzusatzkosten in der gewerblichen Wirtschaft über dem EU-Durchschnitt. Zwar liegt der Personalzusatzkostenanteil im Verhältnis zu den Bruttolöhnen leicht unter dem EU-Durchschnitt. Dieser Vergleich ist jedoch wenig aussagekräftig, denn aus Unternehmenssicht ist nicht der Personalzusatzkostenanteil maßgeblich, sondern die absolute Höhe der Personalzusatzkosten, und die liegt in Deutschland rd. 21 % über dem EU-Durchschnitt.

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Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
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Mai 2019