Tarifvertrag

Vorteile des Tarifvertrags erkennen und nutzen

Zu Recht ist der Tarifvertrag – insbesondere der Branchen- bzw. Flächentarifvertrag – nach wie vor die prägende Ordnungsgröße der Arbeitsbeziehungen in Deutschland.
Insgesamt gelten für mehr als ¾ aller Beschäftigten in Deutschland Tarifverträge direkt oder als Bezugsrahmen. Für die meisten Arbeitgeber ist damit da kollektive Aushandeln der Arbeitsbedingungen nach wie vor die bevorzugte Form der Lohnfindung und Gestaltung der Arbeitsverhältnisse.

Für den Flächentarifvertrag sprechen eine Reihe überzeugender Argumente:
  • Der Flächentarifvertrag hält Konflikte weitgehend aus den Betrieben heraus und sichert damit den Betriebsfrieden.
  • Der Flächentarifvertrag ermöglicht durch die Friedenspflicht während seiner Laufzeit störungsfreie Lieferbeziehungen.
  • Gerade in einer hochvernetzten und arbeitsteilig organisierten Wirtschaft bietet der Flächentarifvertrag den Betrieben Planungssicherheit.
  • Der Flächentarifvertrag nimmt den Unternehmen den zeit- und kostenträchtigen Aufwand eigener Tarifverhandlungen ab.
  • Der Flächentarifvertrag ist insbesondere bei der Regelung komplexer Rechtsmaterien ein echtes Dienstleistungsangebot des tarifschließenden Arbeitgeberverbands – vor allem für kleine und mittlere Betriebe.
  • Im Flächentarifvertrag können – wie nirgends sonst – auch gesamtwirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.

Gleichwohl gilt es, die Attraktivität des Flächentarifvertrags als Instrument der Lohnfindung weiter zu steigern. Der Tarifvertrag ist kein Selbstzweck. In den 1980/1990ern haben sich Lohnabschlüsse oberhalb des Produktivitätszuwachses sowie kollektive Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich – aber ohne ausreichende Flexibilität – vielfach zu Lasten der Attraktivität des Flächentarifvertrags ausgewirkt. Diese Fehlentwicklungen konnten durch die Umsetzung eines tarifpolitischen Modernisierungskurses seit Anfang der 2000er Jahre in weiten Teilen bereits wieder eingefangen werden. Eine praxisorientierte Weiterentwicklung des Flächentarifvertrags ist auch weiterhin die Voraussetzung für seine Effektivität als Dienstleistungsprodukt für die Unternehmen. Nur der moderne und anpassungsfähige Tarifvertrag wird im Wettbewerb bestehen.


Überregulierungen abbauen – Betriebsebene stärken

Der Reformansatz der BDA für den Flächentarifvertrag zielt darauf hin, Überregulierungen abzubauen und den Handlungsspielraum der betrieblichen Ebene zu stärken. Tarifbedingungen müssen wieder Mindestbedingungen im ökonomischen Sinne sein. Das gilt für Entgelte, für Sonderzahlungen wie das Weihnachts- oder das Urlaubsgeld und auch für Arbeitszeitregelungen. Um den Unternehmen und Beschäftigten genügend Freiheiten einzuräumen, sollten Tarifverträge daher in erster Linie Rahmenregelungen sein. Durch eine ständige Anpassung des Flächentarifvertrags an die Veränderungen in der betrieblichen Praxis lassen sich im Wege einer „kontrollierten Dezentralisierung“ Entscheidungskompetenzen von der Tarif- auf die Betriebsebene verlagern. Den Weg dahin ebnen tarifliche Öffnungsklauseln, die auf der betrieblichen Ebene Abweichungen vom Mindestniveau des Tarifvertrags ermöglichen. Darüber hinaus kann ein Baukastensystem mit verschiedenen Modulen statt eines ganzen Tarifpakets insbesondere für kleine Betriebe ein Lösungsansatz sein. Unternehmen, die von der Komplexität eines gesamten Tarifwerks abgeschreckt werden, sollen sich z. B. für den Entgeltrahmen aus einem Tarifvertrag entscheiden können, ohne dass sie gleichzeitig auch komplexe Regelungen zur Arbeitszeit aus diesem Tarifwerk übernehmen müssen.

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