Rehabilitation

Rehabilitation trägt zur Fachkräftesicherung bei

Rehabilitation ist ein elementarer Bestandteil des deutschen Sozialstaats. Sie trägt dazu bei, Menschen mit Behinderungen und gesundheitlichen Einschränkungen (wieder) in die Lage zu versetzen, ihren Lebensunterhalt durch den Einsatz ihrer eigenen Arbeitskraft zu bestreiten. Ein wirtschaftlich unabhängiges und selbstbestimmtes Leben bleibt dadurch möglich. Erfolgreiche Rehabilitationsleistungen können und müssen künftig noch stärker dazu beitragen, das Arbeits- und Fachkräfteangebot in Deutschland zu sichern und die tatsächliche Lebensarbeitszeit zu verlängern.

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der bereits heute bestehenden und sich weiter verschärfenden Fachkräfteengpässe können es sich die Unternehmen nicht leisten, nach einer Krankheit länger als nötig auf ihre Beschäftigten zu verzichten. Vielmehr ist es für die Unternehmen ein ureigenes Interesse, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und zu erhalten und durch Wiedereingliederung das bestehende Wissen und die Erfahrung für das Unternehmen zu bewahren. Aber auch die bessere Erschließung der Potenziale von Menschen mit Behinderungen insgesamt durch (Wieder-)Eingliederung auf Arbeitsplätze des ersten Arbeitsmarktes ist für die Unternehmen von immer größer werdender Bedeutung. Auf diese Weise können Fachkräfte gehalten bzw. freie Stellen besetzt werden.

Medizinische und berufliche Rehabilitationsmaßnahmen werden in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das System der Rehabilitation muss daher leistungsfähiger und wirkungsvoller aufgestellt werden. Der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung kommt dabei eine große Bedeutung zu. Erfolgreiche, an Wirkung und Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Rehabilitationsleistungen tragen dazu bei, das Arbeits- und Fachkräfteangebot in Deutschland zu erhöhen und die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Sie sind aber auch entscheidend, um berufliche und gesellschaftliche Teilhabe für den Einzelnen zu ermöglichen. Sie sind nicht zuletzt wesentlich, um die sozialen Sicherungssysteme nicht zusätzlich und unnötig zu belasten und um sie zukunftssicher aufzustellen.

Reha-Prozesse müssen verbessert werden

Grundsätzlich sind die im Rehabilitationssystem zur Verfügung stehenden Mittel begrenzt. Dabei sind die Ausgaben für Rehabilitationsleistungen in den letzten Jahren stetig gestiegen. Wurden 2006 noch rund 25 Milliarden Euro für Rehabilitation und Teilhabe insgesamt ausgegeben, waren es im Jahr 2017 schon über 36 Milliarden Euro. Es ist daher entscheidend, den Einsatz von Förderinstrumenten an den Grundsätzen von Wirkung und Wirtschaftlichkeit auszurichten. Die BDA hat im April 2019 konkrete Vorschläge für eine bessere und erfolgreichere Rehabilitation gemacht: Reha-Bedarfe müssen frühzeitiger erkannt und eine zeitnahe Versorgung sichergestellt werden, Schnittstellenprobleme gelöst und die trägerübergreifende Zusammenarbeit weiter verbessert werden. Zudem ist es notwendig Transparenz über den Reha-Prozess zu schaffen. Deshalb muss der neue Teilhabeverfahrensbericht aussagekräftig sein. Für Arbeitgeber fehlt es nach wie vor an einem trägerübergreifenden Ansprechpartner, der durch den Rehadschungel lotst. Medizinische und berufliche Rehabilitation müssen bestmöglich aufeinander abgestimmt werden. Da 40 Prozent der Grundsicherungs-Empfänger nach SGB II nach eigener Einschätzung schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen aufweisen, muss Rehabilitation im SGB II einen viel größeren Stellenwert erhalten. Der Grundsatz ambulant vor stationär muss konsequent umgesetzt, die Angebote der Berufsförderungswerke noch betriebsnäher ausgestaltet werden und die Wirtschaftlichkeit von trägereigenen Reha-Einrichtungen sichergestellt werden.

Eigenvorsorge und betriebliche Prävention müssen wichtige Rolle spielen

Durch Prävention und verbesserte private und betriebliche Gesundheitsvorsorge sollten Rehabilitationsfälle am besten von vorneherein vermieden werden. Jeder und jede Einzelne sollte dazu beitragen, Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Gesundheitsschäden zu vermeiden. Deutsche Unternehmen können im Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie im Bereich gesundheitsgerechter und leistungsfördernder Arbeitsbedingungen bereits auf eine lange Tradition zurückblicken. Sie tragen durch einen erfolgreich betriebenen Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie durch vielfältige Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung erheblich zur Prävention bei.

Arbeitgeber engagieren sich

Arbeitgeber setzen sich aktiv für die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein. Über 1,1 Million (2017) schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung belegen dies – viele davon in kleinen Unternehmen, die hierzu nicht gesetzlich verpflichtet sind. Unternehmen engagieren sich darüber hinaus, insbesondere für die Ausbildung junger Menschen mit Behinderungen. So ist beispielsweise die Zahl der schwerbehinderten Auszubildenden in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dabei lautet die wichtige Botschaft: Wenn Menschen mit Behinderungen am richtigen Arbeitsplatz und in der richtigen Art und Weise eingesetzt werden, sind sie wertvolle Beschäftigte, die ihre Arbeit oftmals noch motivierter und mit besonderer Arbeitsbereitschaft und Leistungsfreude verrichten. Denn: Behinderung bedeutet nicht automatisch Leistungsminderung. Diese Botschaften verbreiten die Arbeitgeberverbände beispielsweise mit der Initiative „Inklusion gelingt!“ (mit der gleichnamigen Website www.inklusion-gelingt.de) und die Bildungswerke der Wirtschaft mit dem Projekt „Unternehmens-Netzwerk INKLUSION“ sowie viele Arbeitgeber mit ihrem individuellen Engagement. Das UnternehmensForum, die Bundesagentur für Arbeit, die Charta der Vielfalt und die BDA zeichnen gute Beispiele unternehmerischer Praxis mit dem Inklusionspreis für die Wirtschaft aus (www.inklusionspreis.de). Im April 2019 wurde die Aktion „Einstellung zählt – Arbeitgeber gewinnen“ gestartet, mit der Arbeitgeber angesprochen werden sollen, die nach ihrer Kenntnis keine schwerbehinderten Menschen beschäftigen. Die Initiative der Bundesagentur für Arbeit, Bundesarbeitsministerium, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen und der BDA wird vom UnternehmensForum und der Charta der Vielfalt unterstützt.

Aufklärung und Beratung auch für Arbeitgeber notwendig

Welcher Rehabilitationsträger für welche Rehabilitationsmaßnahme zuständig ist und welche anderen Institutionen ggf. noch Unterstützungsangebote und Fördermaßnahmen anbieten, ist nicht nur für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oftmals schwierig zu erkennen, sondern auch für Arbeitgeber. Die Erfahrungen aus dem Projekt „Wirtschaft inklusiv“ haben gezeigt, dass es einen Bedarf für Arbeitgeber gibt, durch das „Reha-Dickicht“ geführt und zu den Angeboten der einzelnen Rehabilitationsträger gelotst zu werden. Projekte wie das „Unternehmens-Netzwerk INKLUSION“ sollten daher zu einem Regelinstrument überführt werden, damit bundesweit eine Arbeitgeberberatung mit Lotsenfunktion zu den jeweils zuständigen Unterstützungs- und Förderstrukturen geschaffen wird.
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